Wir sind in der Nacht vom 21. auf den 22. 9. ins Krankenhaus gefahren, nachdem sich die Fruchtblase geöffnet hat. Wellen hatte ich noch keine. Ein erster Befund ergab, dass der Muttermund noch gar nicht zu tasten war, das Baby mit dem Köpfchen also noch nicht im Becken war. Ich dachte mir nichts dabei, schließlich hatte ich ja auch noch keine Wellen. Wir richteten uns gemütlich im Kreißsaal ein, M. konnte da schlafen und warteten den nächsten Tag ab. Am 22. (errechneter Termin ;-)) verbrachten wir viel Zeit mit durch den Park spazieren, Treppen steigen, Akupunktur bekommen, Yoga Übungen machen, uns entspannen, plaudern, ….. Ich rief meine Homöopathin an und bekam Globuli. M. ist zwischendurch noch mal nach Hause gefahren, ich war ganz ruhig.

In der Nacht auf den 23. hatte ich einige Wellen, manche waren auch etwas stärker, ich habe entspannt im Bett liegend mit ihnen mit geatmet, während M. geschlafen hat.
Am Morgen des 23. kam mein betreuender Gynäkologe in den Dienst (was für ein Glück!). Eine neuerliche Untersuchung ergab keinerlei Veränderung: der Muttermund war gar nicht tastbar, das Köpfchen des Babys konnte man weg schieben, es hatte „keinen Bezug zum Becken“ wie die Fachleute sagten. Da mehr als 24 Stunden seit der Blasenöffnung vergangen waren, wurde mir Antibiotikum verabreicht. Außerdem sprachen wir über Einleiten. Schließlich erhielt ich die erste Tablette zum Einleiten, ich bekam Wellen und konnte gut mit ihnen atmen. Nach 4 Stunden erhielt ich eine weitere Tablette und die Wellen wurden sehr stark. Marcel machte einen perfekten Job, tat und sagte genau das Richtige, ich musste ihn nicht lange anweisen, höchstens mal die Hand vom Rücken weg schieben oder halten. Zu Mittag war der Befund unverändert und mein Arzt meinte, von selbst ginge hier die Geburt nicht weiter, wir könnten noch eine PDA versuchen, um das Becken zu weiten, aber ansonsten wolle er nicht mehr viele Stunden zuwarten. Wir fragten die Hebamme nach Tipps und Tricks und sie wiederholte: ihr macht alles perfekt, ich kann euch nichts mehr sagen! Ich versuchte noch mit dem „Eisbär“ ob sich das Baby irgendwie überreden ließe, doch sein Köpfchen ins Becken zu bewegen. Irgendwann kam der Primar herein und sagte, die Entscheidung für eine Sectio sei viel zu früh, ich hätte ja noch gar keine Geburtswehen. Die Hebamme aber sagte, doch, das seien Wehen, aber da ich HypnoBirthing mache, erkenne er diese nicht (zu ihm hat sie es nicht so direkt gesagt ;-) aber zu uns). Ich muss zugeben, an dieser Stelle war ich nicht mehr entspannt. Nicht, weil die Wellen so heftig waren (das waren sie!), sondern weil ich mir alles Mögliche für meine Geburt vorstellen konnte, nur keine Sectio! In Tränen aufgelöst habe ich mit M. zwischen den Wellen gesprochen, was wir wohl tun sollten. Ich habe immer auch mit dem Baby gesprochen, das gezappelt hat, auch gute Herztöne hatte und sich zu bemühen schien. Und plötzlich hatte ich ein ganz starkes Gefühl: das Baby weiß, was es tut! Es arbeitet nicht gegen uns! Wenn es wüsste, dass es hier durch den Geburtskanal durch kann, hätte es sich längst auf diesen Weg gemacht. Ich hatte das Gefühl, das Baby hat entschieden und dieses Gefühl war so stark, dass es keinen Zweifel zuließ. Mir war irgendwie klar, dass das Baby weiß, dass eine natürliche Geburt nicht möglich war (aus welchen Gründen auch immer, dass es eher groß sein würde wussten wir vom Ultraschall) und ich vertraute auf dieses Gefühl.

So stimmte ich kurz nach 14 Uhr der Sectio zu (unter Tränen, auch unter dem starken Gefühl, versagt zu haben, auch unter dem Gefühl, euch diese „Niederlage“ nicht erzählen zu können) und um 14:59 Uhr kam N. gesund, mit 3maliger Umschlingung der Nabelschnur und blauem Köpfchen aber noch (!) ohne Sauerstoffmangel zur Welt! Er war 53cm lang, 3.580g schwer und hatte einen Kopfumfang von 35cm.

Dank HypnoBirthing haben wir es bis zum Schluss geschafft, unsere Wünsche zu formulieren. Ich habe gesagt, ich möchte meinen Sohn nach der OP bei mir haben. Es hieß, das ginge nicht, weil ja das blaue OP Tuch fast bis zu meinem Hals ginge. Das ignorierte ich und wiederholte, dass ich das Baby bei mir haben will. Laut M. hat die Hebamme unseren Kleinen dem Kinderarzt fast aus der Hand gerissen, um ihn zu mir zu tragen, sie haben mir das Gesichtchen des Kleinen an mein Gesicht gehalten und da ich erst meine Hände nicht bewegen konnte bis der Anästhesist mir eine los gebunden hatte, konnte ich ihn einfach nur küssen und das war das Schönste was ich mir vorstellen konnte! Unsere erste gemeinsame Erinnerung! Er hat mir im Gegenzug die Nase zugehalten und das mit kräftigem Griff! ;-)
M. ist dann mit N. nach oben in den Kreißsaal zurück gegangen und die beiden Männer haben das Bonding zusammen genossen! Als ich kurz darauf nach oben gebracht wurde, fand ich sie gemütlich im Lehnstuhl vor, N. auf M. nackter Brust, beide entspannt und friedlich.

Inzwischen sind wir zu Hause. N. ist ein ausgeglichenes, entspanntes, fröhliches und interessiertes Baby. Wenn er wach ist, erkundet er mit weit aufgerissenen Augen seine Umgebung, er kann seit dem ersten Tag sein Köpfchen heben und drehen. Das Stillen klappt inzwischen gut und ansonsten schläft er ruhig und friedlich. Gestern haben wir unseren ersten Spaziergang gemacht, das erste Bad hat er wie in einem Wellnesssalon genossen!

Es ist alles gut gegangen und ich gehe davon aus, dass es das Beste war, was uns passieren konnte! Dass mein Arzt im Dienst war und mich operiert hat war unglaublich beruhigend für mich. Dass ich Gott im OP so stark anwesend gespürt habe, hat mir die letzte Angst genommen. Dass ich so ein starkes Gefühl hatte, das Baby könne anders nicht raus kommen, habe ich nicht ignoriert sondern angenommen.
Wir haben ein gesundes Baby! Das größte Glück auf Erden!

Es geht uns gut!

Melanie