Ich habe meinen Sohn spontan und natürlich zur Welt gebracht. ICH habe ihn geboren, was für ein Glück! Was für ein Erlebnis!

Mein erstes Kind, M., kam vor vier Jahren bei ET 40+7 und per sekundärer Sectio auf die Welt. Von der ersten Wehe bis zum Kaiserschnitt vergingen 44 Stunden. Der Muttermund ging sehr langsam auf, die Wehen waren nicht produktiv genug, Wehentropf, PDA, Geburtsstillstand, etc. … es kamen viele Faktoren zusammen, die dann schlussendlich zur Sectio führten. Es war ein großes Trauma für mich. Wie traurig ist es doch, das über die Geburt des Kindes sagen zu müssen.

Ich habe mich bei der Geburtsvorbereitung für den HypnoBirthing-Kurs entschieden, weil ich für mich spürte, dass ich nicht „einfach so“ in die zweite Geburt gehen kann und will, wie das viele Frauen bei der zweiten Geburt machen. Das Trauma der ersten Geburt hatte ich aufgearbeitet, doch ich brauchte trotzdem eine Anleitung, wie ich Ängste und Erinnerungen loslassen kann, damit mich diese nicht hindern, mich auf die zweite Geburt einzulassen. So hat es mir zum Beispiel sehr geholfen, mir ganz klar zu machen, was ich während der Geburt will und was nicht. Auch auf den Fall einer zweiten Sectio habe ich mich vorbereitet. Ich habe eine Liste mit meinen Vorstellungen in den Akt im Krankenhaus legen lassen und mit meiner Ärztin besprochen, meinen Mann instruiert und – ich denke das war das Wichtigste – Selbstsicherheit gehabt, dass dieses Mal alles anders sein wird. Ich war in meinem Innersten gut gerüstet für die Geburt.

Dieses Mal hatte ich bei ET 40+3 einen Kontrolltermin im Krankenhaus. Die Hebamme meinte, dass der Fundus noch recht hoch sei und wohl noch etwas absinken müsse. Der Arzt sagte, dass wir wohl bei 40+7 über eine Einleitung reden werden müssen. Alles in bester Ordnung aber ein paar Tage könnte es schon noch dauern.

Mein Mann lag an diesem Tag krank zu Hause, ihn und mich plagte schon seit längerer Zeit ein sehr hartnäckiger viraler Infekt. Ich habe mich aber an diesem Freitag erstaunlich fit gefühlt und war mit meiner Tochter im Freien Ball spielen. Dabei hab ich noch mit meiner lieben Freundin telefoniert und wir haben sehr viel gelacht. Nach einem besonders heftigen Lacher hatte ich die erste spürbar heftigere Welle,  nachdem ich in den Tagen zuvor hin und wieder leichtere Wellen hatte. Die Wellen kamen in sehr großen Abständen, ich habe den restlichen Nachmittag mit M. verbracht, dann haben wir gemeinsam zu Abend gegessen und ich hab sie noch ins Bett gebracht. Ab dem Zeitpunkt als sie schlief, 19 Uhr, wurden die Wellen heftiger und kamen in kürzeren Abständen. Ich habe also begonnen, noch die restlichen Sachen in meinen Koffer zu packen, hab noch ein wenig den Film “Chocolat” angeschaut und war sehr entspannt. Mein Mann hat derweil geschlafen und ich wollte mich eigentlich auch noch etwas hinlegen um zu rasten, da ich in der Nacht davor kaum geschlafen habe. Ich dachte, wir würden am nächsten Morgen ins KH aufbrechen. Ich ging davon aus, dass ich noch alle Zeit der Welt hätte.
 
Doch als ich mich ins Bett legte und nochmal die Regenbogen-Entspannung hören wollte, wurden die Wellen derart heftig, dass an ein Ausruhen oder ruhig liegen bleiben nicht mehr zu denken war. Mein Mann hat derweil seelenruhig geschlafen. Ich habe dann nochmal meine Freundin angerufen, die mit mir gemeinsam ein paar Wellen veratmet hat. Sie hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass die Abstände zwischen den Wellen bei nur noch 4 Minuten lägen und dass wir ins Krankenhaus fahren sollten. Ich habe das selber gar nicht mehr gecheckt, war wie in einer anderen Welt.

Um 23 Uhr haben wir uns dann auf den Weg gemacht. Mit Müh und Not hab ich es ins Auto geschafft. Der Weg ins KH kam mir unendlich lang vor. Vom Parkplatz vor dem Krankenhaus bis zum Kreißsaal hatte ich 4 Wellen, ich dachte, ich schaff es nicht mehr bis aufs Bett. Die Hebammen kamen mir schon auf dem Gang entgegen.
Und dann der große Moment für mich: der Muttermund war zu diesem Zeitpunkt schon 7 cm geöffnet! Ich hatte befürchtet, dass der MuMu wieder nicht aufgehen würde oder halt wieder nur so entsetzlich langsam wie bei M.
Die Fruchtblase musste dann von der Hebamme geöffnet werden, da sie nicht von selber aufging und damit einen extrem Druck ausübte. Die Wellen waren derart intensiv und krass, dass ich vom HypnoBirthing (auf den ersten Blick) nichts anwenden konnte/wollte. All die Sachen, die ich im Koffer hatte (Hypno-Birthing-CDs, Musik, Jause, Bücher, Bild eines sich öffnenden Tores, etc.) – für nichts war mehr Zeit bzw. kam es mir erst gar nicht in den Sinn, es zu brauchen. Aber es war eine unglaubliche Erfahrung, ich glaube, ich war noch nie so sehr bei mir wie in dieser Zeit. Ich hatte noch dazu einen Sonderstatus, da ich die einzige Gebärende in dieser Nacht war, waren beide diensthabenden Hebammen bei mir.

Um 01:01 Uhr kam dann unser A. auf die Welt. Ich habe den Gebärhocker benutzt und ich konnte sein Köpfchen berühren und sehen, wie er geboren wurde. Er schaute erst ganz verdutzt und dann tat er seinen ersten Schrei und war sofort bei mir auf der Brust. Was für ein unglaubliches Gefühl. Ich konnte es erst nicht fassen. Ich habe ein Kind geboren!
 
Ich denke gerne an A. Geburt zurück. Es erfüllt mich manchmal mit Wehmut, dass ich nicht nochmal schwanger sein werde und ich auch nicht nochmal eine Geburt erleben darf. Aber gleichzeitig bin ich auch sehr dankbar, dass ich eine zweite wunderschöne Schwangerschaft hatte und dieses Geburtserlebnis dazu! Manchmal denke ich mir, es ging zu schnell, ich hätte die Geburt gerne “länger genossen”. Und doch war es wohl auch die Geburt, die ich gebraucht habe. Schnell und knackig mit absolut keiner Zeit für Ängste, Erinnerungen oder Unsicherheiten.
Es macht mich manchmal wütend, dass ich das bei M. nicht auch hatte. Auch weil der Start mit A. um so vieles einfacher war und ist. Ich bin um so viel selbstsicherer, kann und will für ihn da sein. Zwei Wochen nach der Geburt saß ich schon wieder auf dem Fahrrad, komplett schmerzfrei obwohl ich einen Dammriss 2. Grades hatte, der genäht werden musste. Unmittelbar nach der Geburt kam mein grippaler Infekt wieder zurück und weitete sich noch zu einer Stirnhöhlenentzündung aus. Ich war also die ersten 2 Wochen noch ziemlich am Sand allein schon wegen dem Infekt und auch die Geburt hat mich ziemlich geschwächt. Aber psychisch war ich in bester Verfassung (mit den üblichen ups and downs, eh klar). Aber es ist einfach kein Vergleich zu meinen ersten Monaten (!!!) nach dem Kaiserschnitt.

Liebe Katharina, danke, dass du mich in der Geburtsvorbereitung begleitet hast. Während der Geburt habe ich auf meinen Körper gehört und dementsprechend agiert. Doch auch in der Vorbereitung war dein Kurs sehr wichtig für mich. Das Atmen, die Entspannung, die Affirmationen, das Bild eines sich öffnenden Tores, …. ich bin mir sicher, dass dies alles geholfen hat, dass die Geburt dann schlussendlich so schnell kam und war.

Diese Geburt hat vieles in mir wieder heil gemacht. Der Gedanke an A. Geburt wird mich ein Leben lang mit Freude, Wärme und Stolz erfüllen. Es ist fantastisch was ich konnte. Es ist fantastisch was jede Frau kann – ein solches Wunder vollbringen! Ein Kind empfangen, es wachsen lassen, gebären und nähren! Was für ein Wunder!

Heike