Ich war schon in der 37. SSW mit meinem dritten Sohn, als ich Katharina durch eine Freundin kennenlernte.

Meine Schwangerschaften waren alle drei sehr schön und ohne große Probleme. Die Geburt meines ersten Sohnes war sehr, sehr lange und kräftezehrend. Wir konnten und wollten uns beide nicht von einander lösen. Zudem kam dazu, dass ich durch das Personal im KH immer mehr unter Leistungsdruck geriet. Ich verharrte im Außen und vertraute nicht den Fähigkeiten meines Körpers, ohne Fremdeinwirkung, mein Kind zur Welt bringen zu können. Mit Wehentropf  war ich schließlich vom Schmerz überwältigt. Die PDA habe ich persönlich nicht als Rettung sondern als große Niederlage empfunden. Mein Baby musste ja auch ohne Schmerzmittel seinen Weg gehen.

Bei der zweiten Schwangerschaft setzte ich mich dann sehr intensiv mit dem Thema Schmerz auseinander. Von wissenschaftlicher, medizinischer und philosophischer Sicht. (Hatte jedoch noch nichts von HypnoBirthing gehört) Ich kann zu diesem Thema besonders Bücher von Verena Schmid, Hebamme in Italien, und von Ina May Gaskin, die in Amerika eine "Geburtsfarm" hat, empfehlen. Sie nahmen mir nicht nur viele meiner Ängste und schenkten neues Vertrauen, sondern veränderten auch meinen Blickwinkel auf das Leben und seine alten Gesetzmässigkeiten. Ich entschloss mich, unseren zweiten Sohn bei uns Zuhause zu gebären. Gegen viele Wiederstände von mir Nahestehenden und mit einem Teil Unsicherheit in mir selbst, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Ich hatte eine wunderbare Hebamme und neun Tage nach ET durfte ich, in nur 2,5 Std. Geburtsarbeit, meinen Sohn in die Arme schliessen. Er war 4500 gr. schwer. Bei den Übergangswehen gab es einen Moment, in dem ich mich hilflos und ausgeliefert fühlte, ich, ohne den Zuspruch meines Mannes und meiner Hebamme, aufgeben wollte.

Wegen diesem Moment habe ich, obwohl es eigentlich fast zu spät war, auch bei der dritten Schwangerschaft, angefangen, mit Katharina zu üben. Ich hatte Wiederstände gegen die Schmerzlosigkeit bei der Geburt, doch es war wunderbar, jeden Tag mich mit meinem Baby aus dem Alltag mit zwei kleinen Kindern zurückzuziehen; die Regenbogenmeditation wurde mein Ritus. Und ich spürte immer mehr Zuversicht und Gelassenheit für die kommende Geburtsarbeit. Aus medizinischer Sicht sprach nichts gegen eine Hausgeburt. Und so sollte auch mein drittes Kind bei mir daheim zur Welt kommen dürfen:

Um fünf in der Früh weckt mich unser Großer. Ob er es geahnt hat? Es zeichnet, mein Ziehen ist wohl keine Übungswelle mehr. Ich bleibe im Tun und Machen, richte mir selber alles her, Wasser im Birthpool einlassen, Handtücher in die Sauna, Sofa abdecken, die Grossen für den Kindergarten fertig machen. Damit und mit Beckenkreisen wirken die Eröffnungswellen schmerzfrei. Um Sieben sind die Kinder unterwegs, und ich gehe ins Wasser, die Wellen werden kraftvoller und die geübten Imaginationen helfen mir, mich jetzt ganz in mich und meinen arbeitenden Körper zu versenken. Meine Hebamme beobachtet mich dabei, schaut ab und zu nach, ob mein Kind die Wellen auch gut verkraftet. Wichtig die Pausen. Loslassen, entspannen, neue Kraft und neuer Atem. Mit dem Atem unter die Welle, ganz tief, dann kann ich wirklich auf ihr stehen, werde nicht unter Wasser gedrückt. Ich spüre ganz bewusst den Weg meines Kindes. Obwohl er schon sehr tief unten ist, ein Stück der Zervix ist noch vor seinem Köpfchen. Mit meiner Hand schiebe ich es, wie bei einem Strumpf, herüber. Sein Kopf rutscht ins Scheidengewölbe, wird, ohne den Damm oder die Labien groß zu Verletzen, noch mit der gleichen Welle in meine Hand geboren. Welle, Vierteldrehung, grosse weite Welle, ich stütze mich knieend nach hinten ab, er gleitet aus mir, ist geboren. Hebe ihn mit meiner Hebamme sanft aus dem Wasser. Auf meiner Brust sein erster Atemzug. Es geht ihm gut. 08.39 Uhr. Auf dem Video, dass mein Mann gefilmt hat, sieht man wie Konzentration und Anstrengung aus meinem Gesicht tiefem Glück und Dankbarkeit weichen.

Es war nicht schmerzfrei, aber es war selbstbestimmt, und ich fühlte mich zu keinem Zeitpunkt ausgeliefert. Ich habe mich nicht verloren, konnte immer wieder neu an meine gelernte Entspannung anknüpfen. Mein Baby war 4350 Gramm schwer und 53 cm gross, bei einem Kopfumfang von 38cm.

Christina